Wie alles begann

 

Oktober 2017. Als Herausgeber des Taijiquan & Qigong Journals  hatte ich wie immer die Aufgabe, das Editorial für die neue Ausgabe (TQJ 4/2017) zu schreiben. Und wie immer hoffte ich, eine Idee würde kommen. Und eine kam.

Vor dem Spiel der deutschen Fußball-Bundesliga zwischen Hertha BSC Berlin und Schalke 04 knieten sich die Spieler von Hertha hin als Geste für Toleranz, Vielfalt und Offenheit, gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus. Diese Geste ist  bekannt geworden durch viele Spieler und Funktionäre der US-amerikanischen Football-Liga, die sich während der Nationalhymne, die dort traditionell vor jedem Spiel ertönt, hinknieten.

Im Verlauf des Schreibens fiel mir auf, dass wir, die Qigong und Taijiquan üben und teilweise sogar unterrichten, etwas aus einer anderen Kultur gelernt und dabei die Erfahrung gemacht haben, wie wertvoll dieses für uns ist. Wir haben etwas aus einer anderen Kultur gelernt und bei uns in den Alltag integriert. Wir sind doch ein wunderbares Beispiel dafür, wie eine Kultur eine andere bereichern kann. Und in Anbetracht der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit und des lauter werdenden Nationalismus kam mir die Idee, eine Initiative zu gründen, die sich für Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Kulturen und für ein friedliches Miteinander ausspricht. (>> Editorial lesen) Ich bin der Überzeugung, dass jede Kultur von einer anderen lernen kann – so wie es schon immer war in der Menschheitsgeschichte.

Meine Idee war, dass möglichst viele Qigong- und Taiji-Praktizierende sich zusammenschließen und öffentlich für ein Miteinander der Kulturen eintreten. Dazu sollte es ein gemeinsames Statement, einen Slogan und ein Logo geben sowie eine eigene Website, die diese Initiative vorstellt. Alle, die das Statement unterschreiben, sollten das Logo auf ihrer Website haben, auf ihren Flyers abdrucken – einfach in alles integrieren, was für die Öffentlichkeit bestimmt ist. So sollte diese Initiative der Qigong- und Taiji-Praktizierenden bekannt werden.  Ich gab meiner Idee erstmal den Arbeitstitel „Qigong und Taijiquan für Vielfalt und Toleranz“.

In der Folge erhielt ich viel positive Resonanz, es sei gut und wichtig, deutlich Stellung zu beziehen und sich für ein Miteinander einzusetzen. Einige boten an mir an, mich bei meiner Idee zu unterstützen und bei der Formulierung des Statements, bei der Findung des Slogans und an der Entwicklung des Logos mitwirken. Natürlich kam auch Kritik, im Wesentlichen die, ich sei ziemlich spät dran, das hätte ich auch schon früher machen können. Das ist natürlich richtig, aber leider kam mir diese Idee nicht früher.

Gemeinsam mit den Unterstützer formulierte ich das Statement. Es sollte, so waren wir uns schnell einig, positiv formuliert sein, um gute Energie zu verbreiten. Wir möchten für etwas sein. Für den Slogan gab es mehrere Vorschläge, u. a. „Kulturaustausch – ja bitte“, Kulturaustausch – was sonst“, „Kulturaustausch – sehr gerne“, „Von einander lernen“ und „Miteinander“. Letztendlich entschieden wir uns mehrheitlich für „Miteinander hat Kultur“. Und mehrheitlich wurde auch das Logo aus mehreren Entwürfen ausgewählt, die sich im Wesentlichen durch verschieden viele Verbindungsstriche unterschieden. Gewählt wurde dann die Version, die die Verbindungsstriche nur im Kreis hat.

Der ganze Prozess dauerte schon länger, als ich es gehofft hatte. Alles geschah natürlich zusätzlich zum „übrigen Leben“. Im Editorial der folgenden Ausgabe (TQJ 1/2018) gab ich der Hoffnung Ausdruck, dass wir schon im Februar fertig sein könnten (>> Editorial lesen). Nun ist es doch später geworden, Ende März.

Helmut Oberlack, Ostern 2018